Die Olympiade in der 5. Klasse

Zur Geschichte der Olympischen Spiele

In der griechischen Antike besaßen die Olympischen Spiele einen rein kultisch-religiösen Charakter, den Charakter von heiligen Mysterienspielen innerhalb von geweihten Mysterienstätten.

Der antike Athlet, der sich für die olympischen Spiele körperlich vorbereitete, konnte sich noch mit den einzelnen Übungen verbinden. Er war eins mit der Bewegungsform und ließ sich von ihr durchdringen. Was wir heute nur unter großer Anstrengung und Mühen fertig bekommen, ging damals von selbst. Durch die Bewegungsform, in die man sich übend hineinstellte und mit der man sich identifizierte, wuchs man über sich hinaus, wurde umfassender und größer. Körper, Geist und Seele waren eine Einheit.

Die Gefahr, die dem heutigen Menschen droht, besteht gerade darin, dass der Leib mit seinen Begehren die Willensinitiative und dadurch die niederen Affekte auslöst. Damals waren die Leiber anders, sie waren durchgeistigter und das, was sie als Geist durchdrang, wollte man sichtbar werden lassen.

 

Im Pentathlon, dem Fünfkampf, geschah dies in seiner reinsten Form:

• Der Speerwurf

steht für das Denken

• Der Wurf

steht für das Fühlen (Diskus)

• Das Ringen

steht für das Fühlen

• Der Sprung

steht für das Wollen

• Der Lauf

steht für das Wollen

 

Warum machen wir diese Olympiade gerade in der 5. Klasse?

Zwischen dem 11. und 12. Lebensjahr ist das Kind im Gleichgewicht mit sich selbst. Das findet seinen Ausdruck in der Ausgeglichenheit und Harmonie seiner Bewegungen. Dies wird in keiner anderen Altersstufe mehr so deutlich zu erkennen sein. Jungen und Mädchen zeigen sich in ihren Bewegungen anmutig und sind auch kräftemäßig sehr ausgewogen.

Der Lehrplan schreibt vor, dass in einer 5. Klasse die "Griechische Epoche" unterrichtet wird. fächerübergreifend findet dazu die Griechische Olympiade ihren Stellungswert im Turnen.

Kurz nach den Osterferien begann für die Schüler eine lange Zeit des Übens und des sich vertraut machens mit den fünf Übungen des Pentathlons.

Um sich als Grieche fühlen zu können, wurde an einem Elternabend beschlossen, dass die Kinder auch griechische Gewänder tragen sollten. Eifrig nähten die Eltern die Kleider, die Kinder bemalten diese Gewänder im Unterricht mit griechischen Ornamenten.

Auch die Speere wurden von ihnen selbst hergestellt. Mit viel Eifer und Freude übten die Gruppen die einzelnen Disziplinen auf der Rennwiese.

Es ging nicht nur um den schnellsten Läufer, den weitesten Wurf, den kräftigsten Ringer. Es ging auch darum, dass die Anmut und Schönheit der Bewegungen, die die verschiedenen Sportarten auszeichnen, bewahrt bleiben. Beim Laufen haben wir das Auftreten auf den Fußballen geübt. Die dadurch gewonnene Leichtigkeit verlieh den Kindern eine ungeahnte Schnelligkeit.

Beim Weitsprung musste man sich vor dem Sprung innerlich sammeln - innehalten, um dann beim Anlauf diese Kräfte entladen zu können. Ein konzentrierter Absprung war nötig und die richtige Flugphase brachte die Kinder wieder auf die Füße.

Für den Weitsprung benutzten sie die individuell genähten Gürtel, die jeweils die Maße der Körperlänge jeden Schülers hatte. Dies war unser Metermaß!

Beim Schlagballweitwurf (bei den Griechen war es der Diskus) kam der Moment der Selbstkontrolle hinzu. Man beobachtete den fliegenden Ball und sah so, ob man es richtig oder falsch gemacht hatte. Dadurch wurde man auf sich selbst verwiesen. Man handelte jetzt in einem viel stärkeren Maße aus sich heraus, musste sich selbst korrigieren und fragen, was man falsch gemacht hat oder wie man den Wurf noch verbessern könnte. Der Weitwurf richtet sich auf die Ferne, er möchte eigentlich über das Räumliche hinaus.

Beim Speerwurf hat man es mit einer kontrollierten Bewegung zu tun. Um dem Gerät den richtigen Schub mitgeben zu können, muss sich der Speerwerfer einer außerordentlichen Präzision befleißigen. Es ist ein dauerndes Feilen an der Technik. Man kommt hier in einen Bereich, der stark mit dem Gedanklichen zusammenhängt. Wenn wir den Speer mit Impulsivität, aber auch mit jener Richtkraft und Behutsamkeit, die nun einmal notwendig ist, um das Gerät zu beherrschen, in die Luft schicken, dann geschieht etwa Ähnliches, wie wenn im Gedanklichen etwas zum Ideal wird.

Kurz vor den Sommerferien war es dann soweit! Mit dem Einlauf der Athleten und einem Trompetenstoß begann die Olympiade bei schönstem Sonnenschein auf der Rennwiese.

Feierliche Atmosphäre war zu spüren, als die "Hymne an Zeus" gesprochen wurde. Mit dem Entzünden des "Olympischen Feuers" durch die zwei ältesten Schüler in der Klasse erklärten wir "die Olympischen Spiele" für eröffnet.

Mit viel Begeisterung, Einsatz und Mut zum Erfolg sah man die Kinder sich über mehrere Stunden für ihre Städte einsetzen. Auch für uns Erwachsenen war es die reinste Freude unsere Kinder in gesunder, harmonischer und brüderlicher Gemeinschaft zu erleben. Es wurden großartig Leistungen vollbracht und so manches Kind wuchs im wahrsten Sinne über sich hinaus.

Am Ende des Wettkampfes konnte man die Athleten bei einem Städtelauf noch einmal kräftig anfeuern, bevor es dann zurück zur Schule zur Siegerehrung ging.

Monika Heinlin