Epochen in Klasse 1
Schreiben
Menschheitsgeschichtlich haben sich die abstrakten Buchstabenschriften erst allmählich aus den anschaulichen Bilderschriften entwickelt. Rudolf Steiner weist darauf hin, dass es günstig sei, diesen Weg auch beim sich entwickelnden Kind einzuhalten, weil die werdende Menschennatur fordert, dass man auf dem Künstlerischen aufbaut, um zum Intellektuellen zu gelangen. Das Erlernen der Buchstaben geschieht daher auf künstlerische Weise. Ausgehend vom Wesen des Lautes lässt man das Kind zunächst die Bildhaftigkeit erleben, beispielsweise die Härte eines „K“ oder die Luftigkeit eines „H“. Es werden stimmige Szenen und Bilder gestaltet, die diese Eigenschaften zum Ausdruck bringen. Aus diesen bildlichen Gestaltungen werden dann die Formen der Buchstaben abgeleitet. Es handelt sich also um einen allmählichen Übergang von der „Bilderschrift“ zur abstrakten Buchstabenschrift. Dabei wird auch großer Wert auf schöne Gestaltung gelegt.
Lesen
Nachdem das Kind die Buchstaben kennen gelernt hat, erfolgt der Übergang zum Lesen allmählich. Es besteht kein Druck, bestimmte Lernziele zu erreichen. Vielmehr geht es darum, ein vertrautes Verhältnis zu Gedrucktem entstehen zu lassen.
Sprechen
Allmählicher Übergang vom mundartlichen Sprechen zur gebildeten Umgangssprache durch Vorerzählen und Nacherzählenlassen. Dabei wird berücksichtigt, dass das Seelenleben der Kinder sich in der Mundart noch wesentlich lebendiger ausdrückt, als in der Hochsprache, weshalb sie nicht verdrängt oder gar abgewertet werden soll. Für das Kind wird alles wirksam werden, was vom Lehrer aus voller Seele gestaltet, mit innerer Wahrhaftigkeit durchfühlt und in einer gut durchgebildeten, klaren und deutlichen Sprache, für die einzelnen Temperamente der Kinder in verschiedener Weise gefärbt und belebt, dargestellt wird.
Erzählstoff für die erste Klasse sind vor allem die Märchen der Gebrüder Grimm.
Bei den Versen, Gedichten und Liedern wird vor allem auf die künstlerische Form, die Melodie der Sprache, auf Reim, Rhythmus und Takt geachtet. Das sprachliche Empfinden des Kindes für gedehnte, geschärfte Laute usw., kann vom Singen aus gepflegt werden, lange bevor es Empfinden in der Rechtschreibung zur Anwendung kommt.
Heimatkunde
In der Heimatkunde wacht das Kind allmählich für seine Umgebung auf, verbindet sich bewusster und inniger mit ihr. Beschreibungen von Landschaften der heimatlichen Umgebung, der Tier- und Pflanzenwelt sollen bildhaft-anschaulich, lebendig vorstellbar sein, niemals abstrakt. Die Erscheinungen der Natur dürfen noch in märchenhafter Weise Ichhaft miteinander reden und ihre jeweiligen Eigenschaften zum Ausdruck bringen.
Rechnen
Im Rechnen üben wir die vier Grundrechenarten, indem wir vom Ganzen auf die Teile gehen. Rudolf Steiner weist darauf hin, dass ein zusammenschauendes oder atomisierendes Rechenverständnis beim Erwachsenen wesentlich davon abhängt, wie er als Kind rechnen gelernt hat. Ausgehend von der Einheit, zum Beispiel vom Menschen, erfasse ich zunächst das Ganze und erforsche dann, wie es im Detail beschaffen ist. Das kann unter Umständen bis tief in die Charakterbildung wirken. Wir rechnen also am Anfang nicht 2 + 3 = 5 oder 4 x 5 = 20 sondern 5 = 2 + 3 oder 4 + 1 und 20 = 2 x 10 oder 4 x 5.
Das Zählen wird durch rhythmische Bewegung, Klatschen, Laufen und Springen unterstützt. Die Zahlenreihen des kleinen Einmaleins werden rhythmisch auswendig gelernt, sobald das Kind mit dem Zahnwechsel fertig ist. Gerechnet wird zunächst im Zahlenraum bis 20, der dann, je nach Möglichkeit der Klasse, ausgeweitet werden kann.
Die Epochen in den einzelnen Klassen
Die Beschreibung der einzelnen Epochen orientiert sich stark am Lehrplan Caroline von Heydebrands. Er fasst die Ausführungen Rudolf Steiners in sehr freilassender und anregender Form zusammen.
• Epochen Klasse 1
• Epochen Klasse 2
• Epochen Klasse 3
• Epochen Klasse 4
• Epochen Klasse 5
• Epochen Klasse 6
• Epochen Klasse 7
• Epochen Klasse 8