Die Schulheileurythmie

Förderung und Prävention

Der Mensch bekommt seine Fähigkeiten zum Gehen, Sprechen und Denken nicht von Natur aus in die Wiege gelegt, sondern er bildet sie nur in vollkommener Weise aus, wenn er sich am Vorbild der anderen Menschen orientieren und sich frei entfalten kann.

Die Kindesentwicklung kann dabei aus verschiedensten Gründen aus dem Gleichgewicht geraten. So gibt es zum Beispiel Entwicklungsverzögerungen oder -verfrühungen, es kann sich etwas stauen, festhaken, die Grenze verlieren usw.
Wenn sich nun solche Tendenzen im Schulablauf nicht genügend ausgleichen lassen, gibt es die Möglichkeit der Gesundheitsförderung durch die Schulheileurythmie.

Diese spezialisierte Einzelhilfe ist eine vorbeugende Maßnahme, damit sich Unausgewogenheiten nicht verfestigen oder an die Grenze einer Erkrankung führen. Das Kind hat die Möglichkeit, über verschiedene Bewegungselemente den Leib besser zu ergreifen und zu beherrschen.

Die Heileurythmie wirkt gezielt stärkend, regulierend und harmonisierend bis in die Funktion einzelner Organe und Organsysteme. Die heileurythmischen Bewegungen regen die Lebensfunktionen und Selbstheilungskräfte an.

Dazu werden Elemente der Sprache, Vokale und Konsonanten in Bewegungen des ganzen Körpers umgesetzt. Sie haben Modellcharakter durch ihre typischen Formprinzipien, an dem sich der menschliche Organismus orientieren und korrigieren kann.

In den Vokalen spricht sich z.B. die innere Gestimmtheit aus, die innere Haltekraft, wie ich mich in mir befinde. Die Konsonanten kennzeichnen mein Verhältnis zur Umwelt, z.B. Grenze, Schutz, Hülle oder geschmeidiges Verbinden, Anregen oder Beruhigen, Aufbauen oder Zerstören. Das ist auch im Verhältnis zu meiner „inneren Umwelt“ zu verstehen, zum Verdauungssystem und Stoffwechsel. Ebenso können musikalische Elemente als Bewegungsgrundlage dienen.

Mögliche Indikationen für die Schul-Heileurythmie ergeben sich aus verschiedenen Fragestellungen, mit denen man fürsorglich die Kinder in ihrer Entwicklung begleiten kann:

Ist die Haltungs- und Bewegungsentwicklung altersentsprechend ausgereift, so dass das Kind seine Bewegungen in allen Raumesrichtungen geschickt und geschmeidig koordinieren kann? Bieten die basalen Sinnessysteme dem Kind Sicherheit in der Leibeserfahrung? Kann das Kind seinen Augen und Ohren trauen?

Oder bestehen

  • Unsicherheiten und Ungeschicklichkeiten der Fein- und Grobmotorik
  • Bewegungsunruhe oder -unlust
  • Haltungsfehler oder -schwächen, Zahnfehlstellungen
  • Störungen in der Seh- und Hörverarbeitung?

Ist das Kind schwingungsfähig im Fühlen, Erleben und Erinnern? Kann es hinhören und sich äußern? Kann es sich in Einklang mit der Welt versetzen, schöpferisch und phantasievoll tätig sein? Wie ist es mit Schlafen und Wachen, mit der Möglichkeit, gespannt oder entspannt zu sein?

Zeigt sich das Kind

  • ängstlich, gepresst, angespannt, nervös, aggressiv,  „aus dem Häuschen“
  • hat es Sprachprobleme
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • rhythmische Störungen, z.B. Bettnässen,  Schulbauchweh und Schulkopfschmerz?

Kann das Kind Denkbewegungen nachvollziehen, sich einen Überblick verschaffen, aufmerksam und konzentriert sein?

Oder leidet es unter

  • Konzentrationsschwächen, schweifender Aufmerksamkeit
  • Orientierungslosigkeit im Räumlichen und Zeitlichen
  • stockendem, stutzendem Denken
  • Teilleistungsstörungen wie Rechenschwäche und Legasthenie?

Die besondere Aufmerksamkeit in der Gesundheitsvorsorge gilt zudem der konstitutionellen Anlage eines Kindes, z.B. der Neigung zu dünn oder zu dick zu sein. Hier gibt es Berührungspunkte mit Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis, Opstipation und so weiter.

Da die Schulheileurythmie den pädagogischen Auftrag am Kind unterstützt, wird sie im Allgemeinen während der Unterrichtszeit erteilt. Die Kinder kommen über einen Zeitraum von 6-8 Wochen dreimal wöchentlich für ca. 20 Minuten zum Üben.

Susanne Bukatz