Das Bildungsprinzip der Waldorfpädagogik im Alter von 0 – 18 Jahren

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Fortsetzung

Wachstumsprozesse

Alter

Verhältnis
Kopf-Körper

Körpergröße in cm

Verhältnis

Säugling

0

1:4

50 + 65

 

Schulkind

6

1:6

115 + 30

 

Schuljugendlicher

12

1:7

145 + 30

im Vergleich zu den ersten sechs Jahren Halbierung der Geschwindigkeit

Kopf-Körper-Verhältnis Halbierung des  Wachstums

Erwachsener

18

1:8

175

im Vergleich zu den zweiten sechs Jahren nur noch 1/3 der Geschwindigkeit

 

Trotz intellektueller Befähigung weisen Kinder immer mehr Entwicklungsdefizite zur Einschulung hin auf. Ob motorisch, sozial, besonders sprachlich werden immer häufiger Unreifen entdeckt, die für eine gesunde Weiterentwicklung erst nachgereift gehören. Dann sind die Kräfte frei für einen nächsten Prozess, der intellektuelle Fähigkeiten fördern soll.

Diesen übergreifenden Prozess vom Lernen mit der Hand zum Lernen mit dem Kopf setzt die Waldorfpädagogik grundsätzlich voraus. Die moderne Hirnforschung hat in den letzten Jahren die erweiterten intellektuellen Möglichkeiten durch vorhergehende vielfältige Erfahrungen, die sogenannten Verknüpfungen deutlich bestätigt.

Sichtbarster Ausdruck der Schulreife ist der Wechsel der festesten Substanz unseres Körpers, der Zähne. Alle Kraft wird aufgewandt, um die 2. Zähne aus dem Kieferknochen herauszuschieben. Gleichzeitig ist eine Streckung des Kindes zu beobachten (manchmal werden Nasen spitzer).

Die Gliedmaßen werden nun besser koordiniert. Die Rechts-Links-Dominanz und Auge-Hand-Koordination werden gefestigt, alles Voraussetzungen für Schreiben, Zeichnen, Lesen u.a.

Das Alter von 7 - 14 Jahren

Nun ist das Kind also in der Schule. Doch oft wird der Übergang vergessen. Zart soll das Kind hingeführt werden, seine frei gewordenen Kräfte neuen Aufgaben zuzuordnen.

Dass dies nicht immer so ist, beweißt der ungute Spruch: „Nun beginnt der Ernst des Lebens!“.

Die Waldorfschule hat sich zur Aufgabe gemacht, Kindern im Unterricht möglichst das zu geben, was sie zur weiteren Entwicklung brauchen. So kommen wir ohne Noten und Sitzenbleiben durchaus zurecht, haben deshalb altersspezifische Klassen und die meisten unserer Schüler entwickeln ihren Ehrgeiz, zu Lernen, weil sie in der gebotenen Aufgabe eine Herausforderung für sich erleben.

Was nun in der Schule neu ist, ist, dass der Lehrer als Vermittler eine zentrale Rolle einnimmt, dass die Lerngemeinschaft „Klasse“ bestimmte Aufgabenstellungen und Zielsetzungen erhält.

Die Kräfte, die vorher zur körperlichen Entwicklung eingesetzt wurden, werden nun für zielorientiertes Lernen, realitätsbezogenes Denken, für Erinnerungs- und Merkfähigkeit eingesetzt.

Damit das Kind gerne lernt, muss eine Geborgenheit in der Schule geschaffen werden, in der das Kind selbst auch mit Rückschlägen lernt, um- und weiterzugehen. Wichtig ist, dass der Stoff das Empfinden des Kindes anspricht und so den Lernwillen steigert. Das Kind erlebt den Lernstoff sehr sensibel als in sich stimmig, für Ihn und seine Lebenssituation angebracht. Deshalb muss besonders der Klassenlehrer darauf achten, dass der Unterricht „künstlerisch“ aufgebaut ist.

Was heißt künstlerisch aufgebauter Unterricht:

Hand

Wollen

Rhythmischer Teil

Bewegung

Gedichte, Lieder Bewegungsspiele

Kopf

Denken

Hauptteil

Gedächtnis

Gespräch, Rechnen,      Schreiben

Herz

Fühlen

Erzählteil

Erleben

Märchen, Fabel, Biographien

 

Z.B. wird der morgendliche Hauptunterricht, der grundbildende Fächer wie Deutsch, Rechnen, Naturwissenschaften enthält, in drei Teile gegliedert.

Zu Beginn im rhythmischen Teil werden Lieder gesungen, wird rezitiert und damit der Wille der Kinder angeregt.

Dann folgt der Mittel- oder Hauptteil mit den lerninhaltlichen Themen wie Rechnen Schreiben Pflanzen- oder Tierkunde usw.. Hier wird das Denken in Anspruch genommen, das Mitdenken, Nachdenken und Vorbringen eigener Gedanken im Gespräch.

Schließlich folgt der Erzählteil, der anhand von Märchen, Fabeln, Biographien die bildhafte Empfindung des Kindes anregen soll.

So können Sie sehen, wie wir bemüht sind, das Kind in seiner Dreigliedrigkeit Kopf, Herz und Hand anzusprechen.

Macht der Lehrer seine Aufgabe gut, ist er eine Autorität bei den Kindern, welche ihm gerne und willig nachfolgen und so den Unterricht künstlerisch erleben und das in der Gestimmtheit von schön.

Nun macht das Kind innerhalb des 2. Jahrsiebtes zwischen 7 und 14 Jahren enorme Schritte durch. So wird auch im Unterrichtsangebot darauf eingegangen und es kommen zunehmend kognitive Fächer wie Naturwissenschaften hinzu.

Wichtig ist die Entwicklung der Sozialkompetenz innerhalb der Klasse im Unterricht, darüber hinaus in Klassenspielen, Musikvorspielen, Ausflügen usw.

Das Alter von 14 – 18/21 Jahren

Mit der Pubertät ist das Prinzip Autorität schwierig geworden. Der Jugendliche, auf der Suche nach sich selbst, zieht in den Kampf, oft sich selbst nicht leiden könnend, aber auch zuweilen sein Umfeld ablehnend.

Hier wird der Klassenlehrer abgelöst. Mit der 9. Klasse treten jeweils die Lehrer oder Meister ihres Faches vor die Schüler. Nun wird die Arbeit wissenschaftlich. Der Lehrer muss für umfassende Fragen gewappnet sein und der Schüler möchte erleben, das, was mein Lehrer sagt, hat Hand und Fuß, wissenschaftlich belegt und erläutert, es ist wahr.

So erlebt der Schüler viele verschiedene Vertreter ihres Faches, jeder in seiner Individualität Vertreter seiner Disziplin mit dem, was er sich an Erfahrung erworben hat, wie er dasteht, wie er es rüberbringt. Die Individualität des Lehrers soll dem Jugendlichen Anreiz sein zu sehen, dass es sich lohnt zu lernen, weiterzukommen, sich auch schon etwas zu spezialisieren und auf seine Eignungen und Neigungen zu hören. Neben allen Fächern beweist sich der Oberstufenschüler in Praktika in verschiedenen Berufs- und Betätigungsfeldern. Er arbeitet auf dem Bauernhof, muss ein Stück Land vermessen und eine Karte zeichnen, er arbeitet in einer sozialen Einrichtung usw.

Der junge Mensch ist auf dem Weg zur Freiheit. Aus freiem Entschluss wird er etwas tun oder unterlassen! Hier werden die Gespräche der Lehrer zunehmend mit dem Schüler selbst geführt und dieser mit seiner Verantwortung für sich selbst konfrontiert. Ohne darüber zu sprechen genießt der junge Erwachsene heimlich das Gefühl: Ja, hier kümmert sich jemand um mich, macht sich über mich Gedanken. Und dennoch weiß er, je näher das Ende der Schulzeit rückt, die nächsten Entscheidungen werden alleine meine werden müssen.

Nach der Schule bieten, wenn es sein soll, die anthroposophischen- und Waldorfeinrichtungen umfassende Möglichkeiten an.

Z.B. Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Demeter-Hof, Krankenschwester in der Filderklinik, Studiengänge unterschiedlicher Couleur, Künstlerische Ausbildungen usw.

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