Schullandheim Klasse 5 - 2008

Schon zu Beginn des Schuljahres stand fest, dass wir im kommenden Sommer zusammen ins Gebirge fahren würden. Welcher Glanzpunkt in einer Kindheit, ein Jahr lang leuchtend vor Augen, manchmal von unbestimmten Ängsten umnebelt, dann wieder aufleuchtend in der Vorfreude auf gemeinsames Erleben mit den Klassenkameraden rund um die Uhr weit weg von Zuhause. Durch vieles Erzählen im Geographie- und Naturkunde-Unterricht war uns die Gegend schon vertraut, wie auch durch den lustigen Kontakt mit Rico, dem Jugendherbergs-Vater. Mit Jubel wurden nach fünfstündiger Bahnfahrt die wackeligen Stockbetten in Beschlag genommen, die Wiese als Fußball- und Rugbyplatz bespielt, das erste Abendessen genossen, das Einschlafen aufs Äußerte verzögert.

Das Wetter ist bekanntlich eine Frage der Kleidung, also war es immer gut! Wir erlebten jedoch, dass der geplante Gipfel im Rofangebirge über den Klettersteig bei Nässe doch nicht in Frage kam. Für die Enttäuschung wurden wir sofort entschädigt durch die Entdeckung von Bergsalamandern, Anemonen, Trollblumen, Wiesen voller Enziane, kleinen Schneefeldern und der wilden Wegsuche auf unbeschilderten Pfaden. Klar, dass hier in 1800 m Höhe keiner aus der 36-köpfigen Kinderschar allzu weit ausbrechen wollte! Bei Sonnenschein machten wir uns auf ins Karwendelgebirge. Zwar faszinierten uns schon die Kühe im Tal, doch riefen uns die Gipfel. Das Hahnenkampl (2120 m) war unser Ziel. Nicht zu glauben, wie die Schmerzen im Kopf, im Bauch und am Fuß sich in Nichts auflösten durch die beglückende Erfahrung, alle Anstrengungen des Anstiegs geschafft zu haben, alle Höhenängste überwunden und den echt schwierigen Abstieg mit Bravour gemeistert zu haben. Auch der abendliche Ausklang nach solchen Grenzerfahrungen gemeinsam mit Freunden und Freundinnen und den ebenfalls geschafften Begleitpersonen gehört zu den wunderbaren Ausnahmesituationen, die sich in fortgeschrittenem Alter in goldenem Licht aus dem schwer erinnerbaren Alltag der Schulzeit hervorheben .Es ist die Zeit des intensivsten Lernens, des sich-selber-Kennenlernens im Erspüren seiner physischen Kräfte, seiner Möglichkeiten im Sozialen, seiner Begeisterungsfähigkeit für die meist völlig neue Welt der hohen Berge.

Diese Zeit der Kindheit, in der die naturgegebene Begeisterung sich für lohnende Ziele noch leicht (hoffentlich) entfachen lässt, sollte genutzt sein, um biografische Glanzpunkte zu setzen.

Brigitte Otto